Sonntag, 19. Juli 2009
Udaipur oder es war einmal ein See....
Auf dem Weg von Jodhpur nach Udaipur verlief die Fahrt beschaulich. Saemtliche Doerfer, durch die wir fuhren, boten ein aehnliches Bild. Maenner sitzen in Gruppen zusammen in Hockstellung und palabern, waehrend die Frauen am Rande der Strasse schuften und den Schutt auf ihren Kopfen in kleinen Blechgefaessen abtransportieren. Ok, vielleicht generalisiere ich die Tatbestaende etwas, aber der aufmerksame Leser wird die Subjektivitaet des Blogges hier sicherlich schon erkannt haben.

Dann passierte etwas, was wir schon eigentlich aufgrund der Fahrweise der Fahrer in Kombination mit den Strassenbedingungen viel frueher erwartet hatten. Der Reifen eines der Fahrzeuge platzte. Der Tatort: Eine Schule inmitten eines Dorfes. Zur gleichen Zeit beendeten ca 300 Schueler ihren morgendlichen Dienst und beobachteten das Wechselns des Reifens.

Fuer mich die Gelegenheit, meine Kugelschreiber sinnstiftend weiterzugeben, dachte ich. Nachdem ich ca 10 Kugelschreiber langsam aus dem Rucksack holte, stuermten ca 300 Schueler auf mich zu und umzingelten mich. Sie zerrten an mir und riefen immer wieder:"Pen, Pen, Pen....".

Ich gestehe, dass mich kurz die Panik ueberfiel, denn die Baendigung der Meute viel mir sichtlich schwerer als in meinem Unterricht. Sven konnte leider kein Foto machen, da der Angriff schnell und taktisch einwandfrei veruebt wurde. Also blieb mir nur die Moeglichkeit, die Stifte fallen zu lassen. Die Kinder stuerzten sich darauf und wir fuhren dann leicht irritiert weiter.



Schueler vor der Mutation zum Mob


Unterweg sahen wir dann immer mal wieder interessante Dinge. Aus Rationalisierungsgruenden wurde z.B.die Begrenzung auf maximal 2 Personen pro Moped aufgehoben und auf 4 erweitert.


kleiner Shopping-Ausflug fuer die ganze Familie


In Udaipur angekommen bezogen wir gegen 15 Uhr wieder unser Zimmer im Hotel View Lake, was uns einen unglaublichen Blick auf den vermeintlichen See und einen darin stehenden Palast bot.


Ausblick aus unserem Hotelzimmer

Der Wasserstand des Sees steigt mit zunehmender Monsuntaetigkeit. Dann springen die Kinder und Kuehe in die ueberfluteten Stellen des Sees, um zu baden oder ihrer taeglichen Pflege nachzukommen.

Spaeter am Nachmittag trafen wir uns dann zum Essen. Irgendwie kommen immer mal wieder neue Leute hinzu, die irgendwer aus der Gruppe kennenlernt. Man reist zusammen 2 Tage und trifft sich dann evt. irgendwo wieder oder auch nicht.


Mal wieder Pause machen...

Unser Fahrer Neeraj (so heisst er richtig) verabschiedete sich dann von uns wieder zurueck Richtung Dehli. Vorher dankte er uns (und wir ihm) fuer die hervorragende Reisebegleitung. Er hat uns wirklich sicher ueber, unter und durch die Strassen des Wilden Rajasthans gebracht, was ihm dann auch ein Trinkgeld von 20 Euro einbrachte, welches er dann leicht deprimiert entgegennahm, da er mindestens 50 Euro erwartet hatte, wie er sagte!? Nach Minuten der Stille und beidseitiger Irritierung umarmten wir uns alle schnell und wuenschten ihm eine gute Heimreise.

Der 2. Tag in Udapair war kulturell gepraegt. Nach Palastbesichtigung und interessanten "montezumarischen" Erfahrungen in indischen Wohnzimmern wurden diverse Haendler mit neuen Vermeidungsstrategien konfrontiert.

Auf den engen Strassen Udaipurs muessen sich die Menschen allerlei Gefahren aussetzen. So kann es schon mal vorkommen, dass aus einer Einbahnstrasse eine Dreibahnstrasse wird.


Wer vor wem?


Nach kurzen Lunch und Abhaengphase ging es dann abends zu einem Event der besonderen Art. Rajasthan Dances und Musik vom Feinsten. Alle Backpacker des Dorfes versammelten sich und sahen, wie verschiedene Frauen zu unterschiedlichen Musikstuecken Taenze auffuehrten, indem sie z.B. 9 Tonkruege auf dem Kopf trugen und damit in Scherben balancierten. Die Musik war gewoehnungsbeduerftig aber nicht minder emotional.

Danach ging es in neuer Konstellation aber nicht minder homogener Gruppe zur abendlichen Kulinarikpflege, so dass wir dann am naechsten Nachmittag (aber ohne unsere Gruppe...*heul*) zum Bahnhof von Udapair fuhren, um den Uebernachtzug nach Ahmedabad zu nehmen.

Dieser ruckelte sich durch die Nacht und der Schaffner weckte uns am naechsten Morgen um 4 Uhr, so dass wir leicht betaeubt den Bahnhof von Ahmenabad erreichten und uns mit ca 40 TukTukFahrern pro Minute ein hartes Gespraechsmatch lieferten.

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